Entwicklung der Manuellen Medizin

Schon unsere Vorfahren kannten die Wirksamkeit der manuellen Manipulation bei zahlreichen Beschwerden am Haltungs- und Bewegungsapparat.
Die Manualmedizin geriet vorübergehend in Vergessenheit und begann sich in den 60er Jahren zunehmend bei der Ärzteschaft zu etablieren und erlangte 1982 volle Anerkennung.
1991 wurde von Vertretern aller Schulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine gemeinsame Basis für die Einheitlichkeit der Darstellung der Manuellen Medizin erarbeitet.
Das daraus resultierende Buch "Einführung in die Manuelle Medizin" (Springer-Verlag, Heidelberg) wurde in die englische, japanische, polnische und ungarische Sprache übersetzt. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen über nachhaltig wirkende Therapiemöglichkeiten veranlassen immer mehr Ärzte, sich auch auf dem Gebiet der Manuellen Medizin als Zusatzqualifikation fortzubilden.

Bedeutung der Manuellen Medizin

Im Touch-Lab messen Forscher, wie präzise die Fingerbeere immer dichter nebeneinander platzierte Druckpunkte tatsächlich noch als zwei Reize empfindet (Harlow). Die Untersuchung der Patienten durch "Angreifen" ist in den vergangenen Jahren immer mehr in den Hintergrund gerückt und es wurden fast ausschließlich bildgebende Verfahren zur Diagnose herangezogen.
Die Manuelle Medizin - auch unter den Begriffen
Chirotherapie, Manuelle Therapie oder Osteopathische Medizin bekannt - beruht auf einer atraumatischen Manipulation am Bewegungsapparat (Wirbelsäule und Extremitäten) des Patienten.
Bei einer lege artis durchgeführten Manuellen Medizin müssen vorab Kontraindikationen nach vorhergegangener diagnostischer Probemobilisation ausgeschlossen werden.
Durch Setzen eines Hochgeschwindigkeitsimpulses mit geringst möglicher Kraft und sehr kurzem Weg aus optimal gehaltenem Tiefenkontakt, optimal gehaltener Vorspannung und unproblematischer Ausgangslage erfolgt die atraumatische Manipulation.

Anwendungsgebiete der Manuellen Medizin

Für die Fachgebiete der Orthopädie, Physikalischen Medizin sowie der Rehabilitation ist die Manuelle Medizin wohl eine conditio sine qua non.
Betrachtet man die Gesamtheit des menschlichen
Körpers und seiner Psyche, so ergeben sich zwingend auch Anwendungsgebiete der Manuellen Medizin in sämtlichen Fachbereichen wie beispielsweise in der:

  • Rheumatologie,
  • Neurologie,
  • Zahn- und Kieferheilkunde (Kieferchirurgie),
  • Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde,
  • Kindermedizin sowie
  • der Allgemeinen und Inneren Medizin.

Die Gemeinsamkeit der unterschiedlichen Fachrichtungen findet sich u.a.:

  • in der ärztlichen Tätigkeit, die das Bewegungssystem als Substrat hat,
  • in der funktionellen Behandlungsmethode mittels physikalischer Energie (kinetisch/mechanisch),
  • in den Methoden, die Funktionsstörungen und damit Aktivitäts- und Partizipationsstörungen zu erkennen und zu behandeln,
  • in den gesetzlich definierten Ausbildungen, welche von ermächtigten Gesellschaften und Schulen durchgeführt wird